Preise für Literatur und Publizistik

Kulturpreis des Kantons Basel-Stadt 2021

 

für literarisches und journalistisches Werk sowie für das Engagement zugunsten der Menschenrechte, verliehen vom Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

 

Die Preisverleihung fand am 1. November 2021 im Basler Rathaus statt.

 

Aus der Begründung der Jury:

 

Der Regierungsrat ehrt die national und international bereits mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin, Journalistin und Publizistin Irena Brežná und ihr umfassendes kulturelles Engagement.

 

Mit Irena Brežná ehrt der Regierungsrat eine literarische und journalistische Stimme, die sich seit Jahrzehnten für die Menschenrechte einsetzt. Zentrale Themen in ihrem in viele Sprachen übersetztem Werk sind Spielarten des Unrechts, der Fremde – und was daraus wachsen kann. Die Autorin scheut sich nicht, mit kritischer Stimme - in deutscher Sprache - Reizthemen wie Zuwanderung und Integration, das Spannungsverhältnis von Anpassung und Widerstand oder das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft aufzugreifen.

 

Die Bedeutung von Irena Brežnás Werk zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Übersetzungen ihrer Bücher, sondern auch in ihrer mehrfachen Auszeichnung mit Literatur- und Publizistikpreisen. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit ist sie in Basel regelmässig als Dolmetscherin am Gericht, an Schulen und in Kindergärten tätig. Ausserdem diskutiert sie an Schweizer Gymnasien mit Schülern und Schülerinnen die Themen Einwanderung sowie Dialekt und Hochdeutsch. Diese Verschränkung von Leben und Schreiben, das Ineinandergreifen von journalistischem und literarischem Schreiben – und nicht zuletzt die Reflexion über ihr Verhältnis zu Sprache und Schreiben macht das Besondere ihres Werks aus.

Hermann Kesten Preis 2021

Ralf Nestmeyer, Vizepräsident des deutschen PEN-Zentrums:

„Mit Irena Brežná ehren wir nicht nur eine Schriftstellerin, deren Werk durch die eigenen Migrationserfahrungen geprägt ist, sondern vor allem eine engagierte Autorin, die sich Zeit ihres Lebens unermüdlich für Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt und den Dissidenten und Verfolgten in Osteuropa eine Stimme gegeben hat. Mit ihren eigenen Texten kämpfte sie beharrlich gegen das Gebot des Schweigens und des Nichthandelns. Literatur als politisches Statement, sprachbewusst und sprachmächtig zugleich.“

Preisverleihung am 18. November im Staatstheater in Darmstadt

Gespräch zum H.Kesten Preis im Hessischen Rundfunk

Dominik Tatarka Preis 2015

 

Dominik Tatarka Preis ist die renommierteste literarische Auszeichnung in der Slowakei und sie wird dem Autor, der Autorin für ein aussergewöhnliches Werk verliehen, das die humanistischen Traditionen der slowakischen Kultur erfüllt und in diesem Sinne an das geistige Erbe des Schriftstellers und Dissidenten Dominik Tatarka anknüpft.

 

Der Vorsitzende der Literaturjury Peter Zajac begründete die Wahl der Preisträgerin so:

"Der prosaische Text Die undankbare Fremde von Irena Brežná ist eine seltsame Geschichte einer jungen Frau, die 1968 aus der Tschechoslowakei in die Schweiz emigriert. Die Heldin sucht die Heimat in der Fremde und findet sie in der Innenwelt, in Hinterhöfen und nicht in den schönen Fassaden. "Zu Hause ist dort, wo sich der Mensch seine Hinterhöfe erschafft." Und die Autorin ist nicht mehr im Exil, denn es gibt keinen Zaun. Die zweite Ebene des Romans, wo die Erzählerin Flüchtlingen, Abenteurern, kleinen Dieben dolmetscht, zeigt, dass der Mensch, der emigriert, auf eine Art behindert ist. Die ganze Palette von Schicksalen sind aktuell. Aber das würde nicht genügen. Der Dominik Tatarka Preis ist eine Auszeichnung für eine aussergewöhnliche Leistung, und dieser Roman ist sehr innovativ und mit grosser Kraft geschrieben. Zudem wird der Dominik Tatarka Preis nicht nur für ein Werk, sondern stets auch für gesellschaftliches Engagement verliehen."

Die Preisverleihung fand am 14. März 2016 in Bratislava statt.

Schweizer Literaturpreis 2012 (ursprünglich Eidgenössicher Preis für Literatur) für den Roman "Die undankbare Fremde" 
 
Aus der Preisbegründung der Literaturjury, 2012 in Bern:
"Fremdsein als Heimat – zu dieser inspirierenden Formel gelangt Irena Brežnás temperamentvolle Erzählerin ganz am Schluss. Eine Erzählerin mit zwei Stimmen: Die eine gehört der Vergangenheit des jungen Mädchens, das aus der Tschechoslowakei in die Schweiz kam und gleichzeitig von der Kindheit in die Adoleszenz trat; die andere der Gegenwart einer Dolmetscherin, welche den Behörden heutige Migrantenschicksale übersetzt und für die Leserschaft dieses Buchs in poetische Prosa giesst. Das Exil als paradoxe Metapher, wie durch eine Lupe gesehen, todernst, hochkomisch, tiefenscharf und berührend."

Buch des Jahres 2008:

Für die slowakische Ausgabe des Romans "Die beste aller Welten" ("Na slepačích krídlach") wurde Irena Brežná der slowakische Literaturpreis "Buch des Jahres OSS" verliehen, der ihr am 9. Dezember 2008 an einer Feier in Bratislava vom Vorsitzenden des Slowakischen Schriftstellerverband OSS Peter Juščák übergeben wurde. 

Aus der Würdigung der Jury:
„Irena Brežná hat sich mit einem grossartigen literarischen Text vorgestellt - klug und witzig, nachdenklich und philosophierend über die Kindheit in der Epoche der Unfreiheit. Mit einer leichten Feder führt sie uns in die Zeit voller Absurditäten, gezielter Gemeinheiten, diktierter Ungemütlichkeiten, die in jedem von uns eingeschrieben sind, jedes mal anders. Das Buch kann man immer lesen, egal in welcher Zeit wir leben und egal auf welcher Seite wir es aufschlagen.“ 
Literaturpreis 2006 in der Slowakei:
Für die Erzählung über Trenčín erhielt ich den 2. Preis der Stadt Trenčín am literarischen Wettbewerb "Mesto za hradbami". Die Jury lobte das Humoristische am Text.
Theodor-Wolff-Preis 2002:
Journalistenpreis der deutschen Zeitungen für den Text „Die Sammlerin der Seelen, Porträt einer Tschetschenin“, erschienen in der Wochenzeitung „Freitag“, 7. September 2001 
 
Die Preisverleihung fand in der Residenz des Bundespräsidenten „Bellevue“ in Berlin am 9. September 2002 in Anwesenheit des Bundespräsidenten Johannes Rau statt. 

Begründung de Jury: 
"Für hervorragende journalistische Leistung, journalistische Glanzstücke - brillant in Sprache, Stil und Form. Zeugnisse einer demokratischen und gesellschaftlichen Verantwortung." 
Kurratorium und die Jury des Theodor-Wolff-Preises Rolf Terheyden, Dr. Helmut Herles 
(Der Text ist ebenfalls im Sammelband „Die Sammlerin der Seelen“, Aufbau-Verlag Berlin, 2003, erschienen).

Interview mit mir zum Theodor-Wolff-Preis
EMMA-Journalistinnenpreis 2002:
Für den Text „Über den Körper hinaus, Brief an die tschetschenische Menschenrechtlerin Zainap Gaschajewa“, erschienen in der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“, 2. August 2001
 
Aus der Begründung der Jury: 
"Die Jury war beeindruckt von der grossen Leidenschaft und sprachlichen Virtuosität, mit der die Autorin in ihrem Brief an eine befreundete Kriegsfotografin die Gräuel des Tschetschenien-Krieges aufleben lässt...Beeindruckend auch die profunden Kenntnisse der Mentalitäten."
Die Verleihung des 7. Journalistinnenpreises fand 2002 in Berlin statt. 
Der Text ist ebenfalls im Sammelband „Die Sammlerin der Seelen“, Aufbau-Verlag, 2003, erschienen. 
Zürcher Journalistenpreis 2000 
Medienpreis der Stiftung "Zürcher Journalistenpreis" für die Reportage „Eine Familie ist noch kein Härtefall“, erschienen in der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“, 1. Juli 1999. Es handelt sich um eine Reportage über Kosovo-Flüchtlinge in Basel während des Krieges in Kosovo.
Jury: 
Präsidenten: Gunhild Kübler 
Mitglieder: 
Herbert Cerutti, Esther Scheidegger, Margit Weinberg Staber, Urs Widmer 
Die Verleihung fand in Zürich am 25. Mai 2000 statt.
 
Aus der Begründung: 
"Die Autorin schildert bewegend, dass selbst eine solch gut gemeinte Regelung (Weisung des Bundesamtes für Ausländerfragen vom 30. April 1999 für asylsuchende Personen aus Kosovo) Leid und Ungerechtigkeit nicht verhindern kann.(...) Der Artikel zeigt einmal mehr, dass die im Flüchtlingswesen als notwendig empfundenen nationalen Restriktionen immer auch inhumane Aspekte haben. Ein Dilemma, das ratlos und traurig macht." 
 
Der Text ist ebenfalls im Sammelband „Die Sammlerin der Seelen“, Aufbau-Verlag, 2003, erschienen. 
Medienpreis der Stiftung "Ostdeutscher Kulturrat" 1999:
Für den Zeitungsartikel über die Siebenbürger Sachsen, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung, 18. 2. 1999. 

Die Verleihung fand in Bonn am 23. Oktober 1999 statt.
Der Text ist ebenfalls im Sammelband „Die Sammlerin der Seelen“, Aufbau-Verlag, 2003, erschienen. 
1. Förderpreis der Schweizer KIWANIS-Stiftung 1997:
Für Texte über Tschetschenien.
Preisverleihung fand 1997 in Bern statt.
EMMA-Journalistinnenpreis 1992:
Für den Text „Flüssiger Fetisch", Rückkehr in die Slowakei, erschienen in der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“, 12.12.1991.
Preisverleihung von Alice Schwarzer, 1992, in Köln.
Der Text ist ebenfalls im Sammelband „Falsche Mythen“ erschienen. 
Prix Mass Media 1989: 
Medienpreis der Christoph Eckenstein Stiftung für den Text „Unser täglicher Rassismus“, erschienen in der Schweizer Frauenzeitschrift „Annabelle“, 6. März 1988. 
 
Begündung der Jury: 
"Ce prix constitue un témoignage d`estime pour une ouvre qui se distingue par son originalité et par la manière dont elle suscite la solidarité internationale." 
Gilbert Rist, Président de la Fondation, Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Membre et coordinatrice du Jury Genève, 30 mai 1989
Der Text ist ebenfalls im Sammelband "Karibischer Ball" unter dem Titel "Brief an meinen schwarzen Sohn" erschienen.
1996 Teilnahme am Publizistikwettbewerb in Klagenfurt mit der Reportage "Der Pate des Fernen Ostens" über die russische Mafia, erschienen im Tagesanzeiger-Magazin, Zürich.
 
1. Preis für Ausländerliteratur in deutscher Sprache, verliehen 1984 in Bern von der Abteilung für angewandte Linguistik der Universität Bern für den Text „Slowakische Fragmente“. 
Der Text wurde 1981 im Radio DRS ausgestrahlt und erschien 1985 in Buchform beim Mond-Buch Verlag in Basel unter dem Titel „Slowakische Fragmente, So kam ich unter die Schweizer".
Mehrfach Werkbeiträge von Schweizer Kulturinstitutionen: Pro Helvetia, Literaturkommission der beiden Basler Kantone, UBS-Kulturstiftung, Fondation Jan Michalski.