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TSCHETSCHENIEN
Sammelband:
„Die Wölfinnen von Sernowodsk“,
Reportagen aus Tschetschenien
Quell Verlag Stuttgart 1997
nur noch über die Autorin erhältlich, 19 Sfr.


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Rezensionen:

 Bis zum Dezember 1994 war das kleine Tschetschenien im Nordkaukasus für die Weltöffentlichkeit kaum ein Begriff. Zu jenem Zeitpunkt drangen grössere russische Truppenverbände in das Bergland ein und versuchten mit rücksichtsloser Gewalt, die tschetschenische Republik, die ihre Unabhängigkeit von Russland erklärt hatte, wieder unter die Kontrolle Moskaus zu bringen. In dem fast zweijährigen grausamen Krieg gelang es dem russischen Goliath nie, das zähe Bergvolk niederzuringen...
In der Einführung zu Irena Breznas Buch wird zu Recht argumentiert, dass Moskaus Invasion in Tschetschenien einen klaren Völkerrechtsbruch darstellt...Von solche politischen Zusammenhängen istin Irena Breznas Reportagen aus Tschetschenien nur am Rade die Rede. Aber ihre Augenzeugenberichte über konkrete Erfahrungen mit dem blindwütigen russischen Terror gegen tschetschenische Städte und Dörfer bringen die physischen und seelischen Zerstörungen, die dieser Krieg angerichtet hat, dem Leser in einer Weise nahe, dass er sie nicht so schnell wieder vergisst.Die Autorin war, verkleidet als Tschetschenien, dabei, als russische Belagerungstruppen einheimische Frauen für kurze Frist in das Dorf Sernowodsk zurückkehren liessen, nachdem sie das Dorf zuvor rücksichtslos durchkämmt und mitsamt seiner männlichen Bevölkerung vernichtet hatten. Ihr Respekt gilt vor allem den tschetschenischen Frauen, die durch den Krieg und das durch ihn verursachte Leiden in einer „Würde der Verletzten“ neue innere Stärke finden...Irena Breznas sehr persönlich gefärbte Reportagen sind Zeugnisse gegen das Vergessen der tschetschenischen Tragödie.
Reinhard Meier, Neue Zürcher Zeitung, 19. 2. 1998.

Die Frauen stehen in Irena Breznas Buch im Mittelpunkt, die Frauen im Tschetschenienkrieg. Die slowakische Journalistin hat mit ihnen im Kaukasus gelebt, ist mit ihnen über die Minenfelder gelaufen, hat sie um ihre toten Männer und Kinder weinen gesehen. Doch der sehr persönliche Reportagenband stimmt nicht nur traurig, macht nicht nur wütend. Man zollt den Frauen vor allem Respekt für ihren starken, nicht zu brechenden Ueberlebenswillen.
Stuttgarter Zeitung, 29.5.1998.

 Durch ihre (Irena Breznas) Kenntnis der russischen Sprache und ihren Zugang zu den tschetschenischen Frauen bekommt sie tiefe Einblicke in die Grausamkeiten dieses Krieges. Sie beschreibt Charaktere, Sitten und Gebräuche der Tschetschenen, die nicht nur alles verloren, sondern auch in ihren heiligsten Gefühlten missachtet und gedemütigt werden. Zwei Reportagen, die ausserordentlich nachdenklich machen, befassen sich mit den Gesetzmässigkeiten des Kriegsjournalismus. I.Brezna findet eine eindringliche Sprache, um das Entsetzen zu bannen. Dem Moskauer Fotografen Walery Shchekoldin sind die bewegenden Schwarzweissfotos zu verdanken. Ein Vorwort von Felicitas Rohder, Gesellschaft für bedrohte Völker, liefert den politischen Hintergrund. Ein Buch, dem ich viele LeserInnen wünsche. Sehr gut auch für Gruppenarbeit geeignet.
Lieselotte Diepholz, Der evangelische Buchberater, 1998/2.

  Irena Breznas Tschetschenien Reportagen „Die Wölfinnenvon Sernowodsk“ bieten einen Einblick in jene Krisenregion, die nach dem Abzug der russischen Armee aus dem Rampenlicht der Medien verschwand...Krieg, das machen die von Brezna selbst dokumentierten Aussagen tschetschenischer Frauen deutlich, ist ein zu blutiges Geschäft, als dass man blauäugig für eine Seite Partei ergreifen kann.
Jens Becker, Frankfurter Rundschau, 17.8.1998.

  „Ich habe Angst.“ - „Komm, jemand muss es doch aufschreiben!“ In ein weites Kopftuch gefüllt wie eine Einheimische, wird Irena Brezna im März 1996 als „Lehrerin Irina Kusnetsowa“ von ihren tschetschenischen Begleiterinnen an schwarzmaskierten Soldaten vorbei in den von den Russen gestürmten Kurort Sernowodsk geschmuggelt. Ausgebrannte Häuser. Leergeräumte Wohnungen, in denen die süchtigen Plünderer nur ihre benutzten Spritzen und leere Wodkaflaschen zurückliessen. Kühe, die sie nicht mitnehmen konnten, wurden lieber mit Kopfschuss getötet, als sie den Tschetschenen zu lassen. Hunderte Kadaver verrotten in den Strassen, währen die Ueberlebenden hungern.
Irena Brezna schildert in ihrem neuen Buch den Wahnsinn des russischen Völkermords an den Tschetschenen 1994-96, indem sie ihren eigentümlichen Blick auf seine banalen, schmutzigen Details richtet. Die Berichte ihrer Gesprächspartnerinnen über Vergewaltigungen, Massengräber und Zerstörung montiert sie zu einem erschütternden Klagelied, dem „Gesang der Wajnachinnen“. Aber Mitleid ist es, was wir für die Frauen Tschetscheniens empfinden, sondern Hochachtung. Zur Zeit, da neue Vorurteile über die Tschetschenen verbreitet werden, das beste erhältliche Buch über sie.
Felicitas Rohder, Pogrom, Zeitschrift für bedrohte Völker, Göttingen, Nr. 198, Dez. 97-Febr. 98.