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| SCHUPPENHAUT |
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Schuppenhaut, Liebesroman,
edition ebersbach, 2010 Berlin, 120 Seiten, 16.80 Euro/ sFr 28.50 REZENSIONEN UND AUSZÜGE |
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Liebender Blick auf kranke Haut
Irena Brežnás Roman „Schuppenhaut“ in der edition ebersbach Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine mysteriöse Krankheit. Sie ist weder ansteckend noch lebensgefährlich, weitgehend unerforscht und für die Betroffenen selbst eine große Belastung. In Irena Brežnás „Schuppenhaut“ steht sie derart im Mittelpunkt, dass man sie beinahe als Hauptdarstellerin bezeichnen könnte. Und doch handelt es sich bei diesem Buch, wie der Untertitel verrät, in erster Linie um einen Liebesroman. Eine junge, ehrgeizige Psychologin befragt im Auftrag eines Forschungsinstituts Menschen, die an Psoriasis (Schuppenflechte) leiden, um die geheimnisvolle und unberechenbare Krankheit mit wissenschaftlicher Genauigkeit in den Griff zu bekommen. Aber die Krankheit entgleitet ihr. Insbesondere als sie sich in einen ihrer Interviewpartner verliebt, ja süchtig wird nach der besonderen Rauheit seiner Haut, deren Berührung sie in Ekstase versetzt. Doch die Krankheit steht zwischen ihnen. Manisch sucht der Geliebte nach einem Zusammenhang zwischen seinen Gefühlen und der Krankheit, verfolgt jede Gefühlsregung auf seiner Haut und versucht die Flechtensprache zu entziffern. Mehr und mehr zieht er sich von den Menschen zurück und verkriecht sich in seiner Wohnung. Als er schließlich in seinen Bewegungen ganz erstarrt und verstummt, lässt sie ihn los und gibt ihm damit die Freiheit, sich zu seiner ureigenen Natur zu bekennen … In einer bildhaften und poetischen Sprache erzählt Irena Brežná von einer aufwühlenden, radikalen Liebe. Aus der objektiv beobachtenden Psychologin wird durch die plötzliche Nähe zu einem Psoriatiker selbst eine empfindsame Betroffene. Sie wird zu einer Grenzgängerin zwischen zwei Welten, der Welt der Gesunden und der Welt der Kranken, wobei diese Einteilung ständig hinterfragt wird. Die Erzählerin schwankt zwischen Nähe und Distanz. Der Wechsel der Blickpunkte ist beabsichtigt, hat Methode. „Ich würde das den kalten und den warmen Blick nennen“, erklärt Autorin Irena Brežná, „beide zusammen lassen eine neue Wirklichkeit entstehen.“ Irena Brežná, die als Psychologin selbst mit der Erforschung der Hautkrankheit betraut war, lässt reale Beschreibungen Betroffener in ihren Roman mit einfließen. Doch geht es ihr hier nicht um Wahrheit im wissenschaftlichen, d.h. scheinbar seriösen Sinne, „sondern um Spielerei, um einen Flirt, um Erotik, um Kommunikation. Es ist die Sicht eines verspielten Blickes. Wissenschaft und Spiel, die gegensätzlich zu sein scheinen, sind hier vereint: der Ernst des Spieles und die Verspieltheit der Forschung. Jede Wissenschaft ist verspielt, wenn sie kreativ ist.“ Die angestrebte Wissenschaftlichkeit in der Erzählung zeigt zugleich die Grenzen der sogenannten Wissenschaft. Das Individuum durchbricht die Grenzen. So scheint der Text die Wissenschaftsgläubigkeit, die Objektivität, geradezu zu verhöhnen. Das Buch mündet in eine kafkaeske Verwandlung und die Krankheit bekommt mythische Dimensionen. Die Psoriasis erscheint als Metapher für die Einsamkeit des Individuums, für die unerfüllte Sehnsucht nach Nähe zu anderen Menschen und gleichzeitig für die Abwehr gegen die Welt, als Metapher für das Leben überhaupt. Für die Neuausgabe in der edition ebersbach hat Irena Brežná ihr 1989 erstmals erschienenes Buch vollständig überarbeitet. |